Bücherei Nieukerk
Buchtipp zum Buch Das Institut von Hendrik Streeck
von Britta Jung
Hendrik Streeck, bekannter Virologe aus der Corona-Zeit, gibt in seinem Wissenschafts- Krimi Einblicke in die Welt eines virologischen Institutes: Harte Forschungsarbeit, Konkurrenzkampf um Karrieren und schnelle Ergebnisse, Wirtschaftsinteressen, Korruption, Manipulation und Machtmissbrauch, sowie ethische Konflikte, die im Zusammenhang mit den Forschungsergebnissen entstehen.
Die Geschichte spielt an einem virologischen Institut in Bosten/USA. Donna, eine „postdoc“ (Wissenschaftlerin, die nach ihrer Promotion befristet für ein bestimmtes Forschungsprojekt angestellt ist) stürzt von einem Hochhaus– schnell wird dem zuständigen Detective Vance Brickle deutlich, dass es ein Mord und kein Suizid war, wie man seitens des Institutes dringend glauben machen möchte. Donnas Forschungsergebnis ist hochbrisant: Eine Technologie, die gezielt Viren an- oder ausschalten lässt, um Zellmanipulationen durchführen zu können. Dies ist sowohl für einen chinesischen Pharmakonzern interessant, als auch für ein US-Militärunternehmen als mögliche Biowaffe, wie sich im weiteren Verlauf der Geschichte herausstellt. Zwei Professoren des Institutes verhandeln jeweils im Hintergrund mit einer der beiden Seiten, um Ihre Karrieren und auch ihre Forschungsmittel damit abzusichern. Um ihre Machenschaften zu vertuschen, kommt es zu weiteren Morden unter Institutsmitgliedern und auch der Ermittler bekommt plötzlich Drohungen sowie Druck seiner Behörde. Es geht um viel!
Je mehr Vance herausfindet, desto klarer wird: Das Institut ist Teil eines internationalen Geflechts aus Militär, Politik und privaten Forschungsgeldern, in dem wissenschaftliche Wahrheit zweitrangig ist. Vance und ein anderer Wissenschaftler schaffen es, Beweise zu sichern – aber die Veröffentlichung ist alles andere als sicher. Während sie die Untersuchungsunterlagen übergeben, wird klar: Offiziell wird der Fall vertuscht -
Das Institut präsentiert eine harmlose Erklärung - Die Verantwortlichen bleiben unbehelligt - Die Forschung läuft weiter – „unter neuer Kontrolle“ …..
Die zentrale Warnung bleibt: Wissenschaft ohne Kontrolle ist gefährlich, und mächtige Institutionen schützen ihre Interessen über alles. Das Ende ist bewusst offen gehalten – als Hinweis auf real existierende ethische Probleme in der modernen Forschung. Neben den Details zu virologischer Forschung bekommt man beim Lesen auch Einblicke in die Abläufe und Hierarchien eines solchen Institutes und auch in die Beeinflussung der Arbeit durch Finanzen, Medien und Politik. Spannend zu lesen und hochaktuell!
Streeck hält am Ende seines Romans ein Plädoyer für eine weltumspannende Forschung, Kooperation zu laufenden Untersuchungen, offenen Austausch und genügend Finanzierung, um die Unabhängigkeit der Arbeit sicherzustellen, um Vorgänge, wie in seinem Roman beschrieben, zu verhindern.
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Frühling bei den Lesezwerge

Die Nieukerker Lesezwerge treffen sich zum Ende der Osterferien am Sonntag, 12. April, von 10:00 bis 10:40 Uhr mit einem Bilderbuchkino und anschließendem Kreativangebot im Nieukerker Pfarrheim.
Passend zum Frühling tauchen wir in eine Geschichte über eine wunderschöne gelbe Blume ein. Ob die wohl beschützt werden muss? Anschließend werden von den Lesezwergen selbst Blumenbomben für den eigenen Garten hergestellt und liebevoll verpackt.
Das Angebot ist kostenlos und richtet sich an Familien mit Kindern im Alter von etwa drei bis sechs Jahren. Eine Mitgliedschaft in der Bücherei ist nicht erforderlich. Nach der Veranstaltung besteht die Möglichkeit, die Bücherei Nieukerk zu besuchen.
Mit den „Lesezwergen“ möchte die Bücherei Kindern den Spaß am Vorlesen vermitteln und ihnen einen positiven Zugang zur Welt der Bücher eröffnen.
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Buchtipp zum Buch Dolce Vita Mortale von Marie Kärsting
von Andrea Rayers
Manche Bücher begegnen uns nicht zuerst auf dem Papier, sondern mit einer Stimme. So ging es mir bei „Dolce Vita Mortale“. Die Autorin Marie Kärsting hat dieses Buch während einer Lesung in unserer Bücherei vorgestellt: ein Toskana-Krimi, aber mit Augenzwinkern.
An diesem Abend wurde der Text lebendig. Denn Marie Kärsting liest nicht einfach nur vor – sie nimmt uns mit hinter die Kulissen. Sie erzählt, wie und wo ihr die Idee zur Geschichte kam (natürlich im Toskana-Urlaub mit ihrer Mutter) und von ihren Recherchen dazu (schwimmt eine Wasserleiche eigentlich oben?).
Übrigens verraten kleine Details ihre Herkunft vom Niederrhein: So ist es sicher kein Zufall, dass die Protagonistin Antonia den Nachnamen „Oedt“ trägt. Die Geschichte führt uns nach Italien, genauer gesagt in die Toskana. Doch statt in der Urlaubsidylle landet Antonia zunächst in einem Reisebus voller kauziger Senioren und fühlt sich dort ähnlich deplatziert wie Ananas auf italienischer Pizza. Zu allem Übel wird kurz nach Ankunft im Urlaubsort die
Reiseleiterin Tanja tot im Hotelpool gefunden. Unfall? Oder doch Mord? Antonia beginnt der Sache selbst auf den Grund zu gehen. Dabei wird sie tatkräftig von einer kleinen, erstaunlich liebenswürdigen Seniorentruppe unterstützt.
Als ich das Buch später selbst gelesen habe, geschah etwas Besonderes: Die Stimme der Autorin war wieder da. Ich hörte ihre Stimme, ihre Betonung – und das leise Kichern der Zuschauer, wenn sie eine besonders witzige Stelle vorgelesen hat.
Ich bin sicher: Wer eine Geschichte einmal gehört hat, liest sie danach mit anderen Augen. Vorlesen macht Literatur lebendig – egal, ob bei einer Lesung in der Bücherei oder abends mit den Kindern auf dem Sofa. Denn Geschichten leben erst so richtig, wenn man sie laut erzählt.
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Und dann war es Liebe von Lorraine Brown

Buchtipp
Und dann war es Liebe, Lorraine Brown
von Nadine Onkels
„Der eine Tag, der alles im Leben verändern kann, beginnt jeden Morgen neu“(unbekannt). Lorraine Brown behandelt in ihrem Debüt-Roman genau dieses Zitat. Dabei beweist die Autorin ziemlich realistisch, welche Möglich-keiten ein Tag bietet. Dazu nimmt sie die Leser mit auf eine beeindruckende Reise durch das wunderschöne Paris. Die 30 jährige Hannah befindet sich mit Ihrem Freund Simon auf der Rück-reise Ihres Venedig Wochenendtrips im Nachtzug. Genervt von der Laut-stärke ich Waggon beschließt Hannah sich in der Nacht einen anderen Platz zu suchen, um eine angenehmere und ruhigerer Nacht zu haben. Leider weiß sie nichts davon, dass der Zug geteilt wird und verschläft die entspre-chende Durchsage. Dadurch wacht Sie alleine in Paris auf, anstatt mit Ihrem Freund in Amsterdam. Zufälligerweise passiert nicht nur ihr dieses Missge-schick. Auch Leó strandet in Paris anstatt in Amsterdam. Nachdem beide Ihre Lage in Paris begreifen, beschließen Sie den Tag bis zum nächsten Zug nach Amsterdam gemeinsam in Paris zu verbringen. Durch diverse Gege-benheiten und Gespräche mit Leó, wird Hannah bei Ihrem Paris-Aufenthalt mit Ihrer Vergangenheit und mit ihrer Zukunft konfrontiert und kommt dadurch dazu Ihr bisheriges Leben zu hinterfragen.
Bei diesem Buch ist Fernweh vorprogrammiert. Eigentlich muss man es in Paris lesen, um alle Plätze besichtigen zu können, denn die Stadt wird in ihren schönsten Facetten beschrieben.
Der Schreibstil war so bildlich und flüssig, dass man stets das Gefühl hatte, mit Hannah und Leó mitten durch Paris zu schlendern. Dabei handelt es sich um ein absolutes Wohlfühlbuch, zudem unterhält es wunderbar, deshalb eine klare Leseempfehlung.
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Der Kindersuchdienst, Antonia Blum von Monika Spor

Kindersuchdienstes 10 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges erzählt.
Es ist 1955, Antonia, ledige Mutter eines Sohnes, hat beim Kindersuchdienst nur Arbeit gefunden, weil sie ihren Sohn verschwiegen hat. Mutter und Sohn wohnen in einer Gartenlaube in Hamburg. Das Leben ist für die beiden nicht einfach und das Geld immer knapp.
Charlotte ist die Tochter einer Reederfamilie, die zu ihrer eigenen Überraschung heiraten soll. Am Tag der Verlobung verlässt sie das Haus der Eltern. Nach einigen anderen Versuchen Arbeit zu finden, landet sie beim Kindersuchdienst.
Beide Frauen arbeiten als Teil eines sehr unterschiedlichen Teams. Sie werden im Laufe der Arbeit für die Kinder Freundinnen. Diese Frauen setzen sich für die immer noch unzähligen Kinder, die nach ihren Eltern suchen und für die Eltern die nach ihren Kindern suchen ein. Einzelne Schicksale der Kinder lassen die beiden nicht los. Sie setzen alles daran, die Eltern oder auch ein Elternteil zu finden. Die Suche geht über die Grenzen der damaligen Bundesrepublik hinaus und zeigt, auch wenn es ein Roman ist, dass oft Zufälle das Beste im Leben sind.
Im Laufe des Jahres soll der Kindersuchdienst in Hamburg geschlossen werden. Die Suchkarten sollen mit dem Münchener Suchdienst zusammengelegt werden. Die Frauen finden eine Möglichkeit, dass der Suchdienst in Hamburg bleibt und damit ihre Arbeit. Sie kämpfen für neue Verfahren bei der Suche im Suchdienst, damit weitere Kinder und Eltern wieder zusammenfinden.
Das Buch von Antonia Blum über die Nachkriegszeit hat mich so gefesselt, dass ich es zügig auslesen musste, weil ich wissen wollte, wie es ausgeht.
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Buchtipp zum Buch Zwischenwelten von Juli Zeh und Simon Urban
Von Britta Jung
In Hamburg treffen sich 20 Jahre nach Ihrem gemeinsamen Germanistikstudi-um Theresa Kallis und Stefan Jordan wieder – Ihr Gespräch endet im Streit, den sie als Korrespondenz per E-Mail, Whatsapp und später auch über Telegram weiterführen. Das Buch ist ein Briefroman, in dem die beiden sich auf digita-lem Wege zu Ihren Themen austauschen, ihre Positionen darstellen - stre-ckenweise in einem harten Diskurs.
Theresa übernahm nach dem Studium den Bauernhof ihrer Eltern in Branden-burg, betreibt ihn als Bio-Hof und kämpft gegen Bürokratie (nicht nur aus Europa), Preisverfall von Lebensmitteln, den Kostendruck der Abnehmerwirt-schaft und die Geringschätzung gegenüber Landwirten. Sie arbeitet täglich hart – trotzdem lassen die Existenzsorgen ihren Idealismus zunehmend schwinden, zumal sie den finanziellen Untergang befreundeter Nachbarn hautnah miter-lebt.
Stefan ist stellvertretender Chefredakteur einer bekannten Hamburger Zeitung, lebt dort geprägt vom urbanen Leben, gut verdienend, recht sorgen-frei und erscheint in der Korrespondenz rational und journalistischer Neutrali-tät verpflichtet- gelegentlich wirkt sein Ton belehrend und überheblich, was Theresa immer wieder zu langen Tiraden per Mail anstachelt. Stefan erscheint gefangen in einer abgehoben wirkenden Blase, die sich plötzlich verliert, als zwei junge, woke Klimaprotestler, die er selbst in die Redaktion eingeführt hat, seinen von ihm verehrten Chef und später ihn selbst „absetzen“.
Ihre Korrespondenz behandelt alle aktuellen gesellschaftlichen Themen:
- Klimawandel, Klimapolitik, Agrarpolitik, Bauernproteste
- Debattenkultur, Wokeismus, Medienkritik, Sprache, Cancel-Culture
- Genderpolitik, Gendersprache, Identitätspolitik, Rassismus
- Ukraine-Krieg, Energiepolitik ….
Die unterschiedlichen Perspektiven der Protagonisten machen den aktuellen Diskurs zu diesen Themen sehr deutlich und erläutern dadurch differenziert die verschiedenen Haltungen, die man auch im Alltag wiederfindet. In ihrem schriftlichen Streit um die gegensätzlichen Perspektiven ringen Theresa und Stefan um Verständnis für ihre jeweilige Lebenswelt, es gibt Annäherungen und erneute Distanzierung, jedoch reißt der Dialog am Ende ab -Theresa radikalisiert sich zunehmend in einer Aktivistengruppierung, während Stefan um seinen Posten in der Redaktion kämpft.
Absolut lesenswert, weil viele Themen, die uns als Lesende im Alltag begeg-nen, hier aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden und die eigene, oft ja auch einseitige Sicht auf die Dinge hinterfragen.
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Die Lesezwerge sind aus dem Urlaub zurück
Am 31. Juni treffen sich die Lesezwerge wieder im Pfarrheim in Nieukerk (Dionysiusplatz 12). In der Zeit von 10:00 Uhr bis 10:40 Uhr gehen die Lesezwerge mit dem kleinen Hasen Felix auf Reisen.
Wir wollen wieder gemeinsam lesen und im Anschluss werden die Lesezwerge noch von ihrer Urlaubsreise berichten. Einige von euch haben in der Sommerpause schon eine Postkarte erhalten, aber auch alle anderen kleinen Lesezwerge dürfen sich aktiv an den Urlaubs-Souvenirs der Lesezwerge erfreuen und den spannenden Urlaubsabenteuern der Lesezwerge lauschen.
Das kostenlose Angebot ist offen für alle Familien mit Kindern von etwa drei bis fünf Jahren. Eine Mitgliedschaft in der Bücherei ist nicht erforderlich.
Wir möchten den Spaß am Vorlesen und einen positiven Zugang zur Welt der Bücher fördern. Dabei steht der Lesespaß für die kleinen Lesezwerge an erster Stelle. Im Anschluss ist noch ein Besuch in unserer Bücherei möglich.

Öffnungszeiten:
Sonntag von 10:00 - 12:00 Uhr
Dienstag von 10:00 - 11:00 Uhr
Mittwoch von 16:00 - 17:30 Uhr
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Buchtipp: Lindt & Sprüngli: Zwei Familien, eine Leidenschaft , Lisa Garf

Zugegeben – mich hat zunächst das wunderschöne und schokoladige Cover in den Bann gezogen. Der Klappentext klingt spannend und so wollte ich unbedingt eintauchen in die Welt der Schweizer Schokolade.
Es beginnt im Jahr 1826 in Zürich. Rudolf, der Sohn von David und Elsbeth Sprüngli, hat einen großen Traum: Er möchte seine eigene Schokolade herstellen. Dieser Wunsch entstand, als seine Mutter schwer erkrankte und Rudolf beim Apotheker mit seinem Ersparten neben den notwendigen Tropfen, auch ein wenig Schokolade erstand. Die Mutter wird wieder ganz gesund!
Das Auftaktband erzählt die Geschichte der Familie Sprüngli über mehrere Jahrzehnte hinweg. Neben der Haupthandlung gibt das Buch tiefe Einblicke in das damalige Leben: die gesellschaftlichen Konventio-nen, die Bedeutung des Bürgerrechts oder auch die Aufnahme in eine der prestigeträchtigen Zünfte. Aber auch die ärmeren Gesellschafts-schichten sind umfangreich recherchiert: Die harte Arbeit in den Fabri-ken, das Leben der Verdingkinder und die Auswirkungen von Krankhei-ten wie der Cholera werden wirkungsvoll dargestellt. Der Autorin gelingt es, Geschichte lebendig werden zu lassen, ohne den Lesefluss mit zu detaillierter Faktenfülle zu belasten.
Besonders gelungen ist auch die parallel erzählte Perspektive von Katharina, Rudolfs zukünftiger Frau, die als starke Persönlichkeit ihre eigenen Träume und Vorstellungen einbringt. Ich war von der ersten Seite an hingerissen von der Geschichte. Die Akteure sind detailverliebt beschrieben, sodass ich sie klar vor meinen Augen hatte. Der leichte und sehr flüssige Schreibstil ließ die Seiten nur so dahinfliegen.
Es handelt sich einfach um einen Wohlfühlroman, der sich besonders gut bei eine Tasse Kakao und/oder einen Stück guter Schokolade genie-ßen lässt und Hunger auf mehr macht. Denn Vorsicht - Das Buch macht Lust auf Schokolade!
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