Buchtipp zum Buch Dolce Vita Mortale von Marie Kärsting
von Andrea Rayers
Manche Bücher begegnen uns nicht zuerst auf dem Papier, sondern mit einer Stimme. So ging es mir bei „Dolce Vita Mortale“. Die Autorin Marie Kärsting hat dieses Buch während einer Lesung in unserer Bücherei vorgestellt: ein Toskana-Krimi, aber mit Augenzwinkern.
An diesem Abend wurde der Text lebendig. Denn Marie Kärsting liest nicht einfach nur vor – sie nimmt uns mit hinter die Kulissen. Sie erzählt, wie und wo ihr die Idee zur Geschichte kam (natürlich im Toskana-Urlaub mit ihrer Mutter) und von ihren Recherchen dazu (schwimmt eine Wasserleiche eigentlich oben?).
Übrigens verraten kleine Details ihre Herkunft vom Niederrhein: So ist es sicher kein Zufall, dass die Protagonistin Antonia den Nachnamen „Oedt“ trägt. Die Geschichte führt uns nach Italien, genauer gesagt in die Toskana. Doch statt in der Urlaubsidylle landet Antonia zunächst in einem Reisebus voller kauziger Senioren und fühlt sich dort ähnlich deplatziert wie Ananas auf italienischer Pizza. Zu allem Übel wird kurz nach Ankunft im Urlaubsort die
Reiseleiterin Tanja tot im Hotelpool gefunden. Unfall? Oder doch Mord? Antonia beginnt der Sache selbst auf den Grund zu gehen. Dabei wird sie tatkräftig von einer kleinen, erstaunlich liebenswürdigen Seniorentruppe unterstützt.
Als ich das Buch später selbst gelesen habe, geschah etwas Besonderes: Die Stimme der Autorin war wieder da. Ich hörte ihre Stimme, ihre Betonung – und das leise Kichern der Zuschauer, wenn sie eine besonders witzige Stelle vorgelesen hat.
Ich bin sicher: Wer eine Geschichte einmal gehört hat, liest sie danach mit anderen Augen. Vorlesen macht Literatur lebendig – egal, ob bei einer Lesung in der Bücherei oder abends mit den Kindern auf dem Sofa. Denn Geschichten leben erst so richtig, wenn man sie laut erzählt.